16 / 09 / 19
Leuchtspur. Der Blog von Stefanie Körber und Stefan Pott

Die gut versteckte Revolution.

Es spricht viel für die These, dass es keinesfalls mehr schlechte Nachrichten als gute Nachrichten gibt, allerdings scheinen sich die guten Nachrichten gerne zu verstecken. Warum sie das tun? Es ist zu vermuten, dass sie sich wie wir alle heftig vor Boris Johnsons Frisur fürchten, aber Forscher eines internationalen Linguistikprojekts haben nun herausgefunden, dass sie wohl schlichtweg gekränkt sind – denn wir schenken guten Nachrichten weniger Aufmerksamkeit als schlechten Nachrichten. Und als ob das nicht schon Kränkungsmaterial genug wäre bzweifeln wir auch die Richtigkeit von good news deutlich stärker als die von bad news.

Das erklärt vielleicht auch das Lieblingsversteck von guten Nachrichten – die Statistik. Zwischen Zahlen eingeklemmt finden sich auffallend viele gute Nachrichten, sie scheinen sich dort wohler zu fühlen als in der freien Kommunikationswildbahn. Dort kann man sich ja niemals sicher sein, nicht plötzlich Johnson, Trump, der AFD oder einem Kurzzeitkanzler gegenüberzustehen. Da blüht der guten Nachricht dann das kreischende „FAKE NEWS!“, mindestens aber die gediegen-undemokratische MESSAGE CONTROL, beides tut weh. In der Statistik dagegen herrscht Ruhe und wird man entdeckt, kann man dort quasi automatisch den Wahrheitsbeweis mitliefern. Beispielsweise bei der stillen, fast unbemerkten und geradezu rasanten Revolution des Vaterbildes.

3 von 4 Männern, so eine aktuelle Studie, finden es normal, nachts aufzustehen, das Baby zu wickeln und in Vaterkarenz zu gehen. Diese Vaterkarenz nehmen auch immer mehr Männer in Anspruch, ihr Anteil hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt; und Väter, die einmal in Vaterkarenz waren, lernen ihre „Lektion der Freude“ – sie übernehmen auch danach einen größeren Anteil an der Familienarbeit.

Der Hauptgrund, keine Vaterkarenz zu nehmen, ist übrigens rein finanzieller Natur: Über 50% der Väter nennen die finanziellen Einbußen als unüberwindbares Hemmnis. Wenn also Vater Staat endlich so gut wäre wie die jungen Väter, hätte sich eines der zentralen Themen der Gleichbrechtigungsgesellschaft wohl schon gelöst, nämlich die faire Teilung der Kinderlast.

Die üblichen Verdächtigen fallen dagegen immer weniger ins Gewicht: Sorge vor beruflichen Konsequenzen haben kaum mehr als 10% der Väter, die Sorge vor negativen Reaktionen von Vorgesetzten bzw. Kollegen liegt sogar noch darunter. Himmel, das ist eigentlich eine gute Nachricht nach der anderen!

Was allerdings gute Nachrichten im Zusammenhang mit Boris Johnson angeht … da suchen wir noch.