26 / 06 / 19
Leuchtspur. Der Blog von Stefanie Körber und Stefan Pott

Kleiner Anstoß.

Zur Zeit findet in Frankreich die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen statt. Es wird guter Fußball gespielt, manchmal auch schlechter, wie das bei Weltmeisterschaften eben so ist. Und obwohl der Titel noch gar nicht ausgespielt ist (so wie es aussieht, werden wohl die US-Frauen Weltmeister, verhindern könnten das am ehesten die Französinnen), steht der Sieger schon fest – es ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern.

Es gibt bei dieser Frauen-WM einen angenehmen Focus auf den Sport und die Sportlerinnen. Die Spiele der brasilianische Fußballnationalmannschaft erreichen Einschaltquoten von über 30%, niemand fordert mehr Fraudeckung statt Manndeckung und vollkommen selbstverständlich schüttelt man den Kopf über jene Zeitung, die nach dem ersten Spiel der Deutschen „Hässlicher Auftaktsieg durch unsere Hübscheste!“ auf die Titelseite schrieb.

Ganz selbstverständlich wird auch über die Diskriminierungsklage der US-Spielerinnen gegen den eigenen Verband berichtet, die für den Titel weniger Prämien als ihre männlichen Kollegen bekommen sollten. Was auf den ersten Blick wie müdes Equal-Pay-Jammern aussieht, ist in Wirklichkeit eine Erfolgsgeschichte der Normalisierung – der Frauenfussball ist in den USA schlichtweg größer, beliebter und profitabler als der Männerfußball und ist auf eine Genderdiskussion gar nicht mehr angewiesen.

Die Idee, dass Frauen sich gegen Männer am besten wehren, wenn sie ihr Spiel härter spielen, ist eine Sackgasse. Wenn das Spiel MÄNNERGEGENFRAUEN bzw. FRAUENGEGENMÄNNER gespielt wird, gehen auf die eine oder die andere Art immer zwei Verlierer vom Platz, aber niemals ein Sieger. Und diese WM gibt einen der raren Ausblicke darauf, wie das Verhältnis der Geschlechter nach #metoo weitergehen könnte.

Stimmt, nicht mit dem Kaffeeservice, das die Deutschen Damen nach dem Gewinn ihrer ersten Europameisterschaft 1989 bekommen haben. Aber auch ganz sicher nicht mit Fraudeckung.

Bitte anschauen.